Fachwissen
Hier kommen Vereine, Fachgruppen, Historikerverbände zu Wort
Mit der Rettung des Dampfers „Diesbar“ fing es an
von Michael Hillmann
In diesem Jahr begeht die Fachgruppe Elbeschiffahrt ihr 25-jähriges Bestehen
Innerhalb der Schaufelraddampferflotte der Sächsischen Dampfschiffahrt ist der Dampfer „Diesbar“ der besondere Stolz, ist er doch der einzige Kohledampfer, mit der ältesten noch funktionstüchtigen Dampfmaschine der Welt! In diesem Jahr wird er aber noch mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit als sonst stehen, denn er begeht sein 125-jähriges Jubiläum.
Dass es dazu überhaupt kommen konnte, wäre vor einem Vierteljahrhundert nicht unbedingt denkbar gewesen. 1978 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt, lag er seitdem im Hafen Dresden-Neustadt, mit geringer Aussicht, noch einmal zum Einsatz zu gelangen. Diesen Zustand wollten Dresdener Dampferfreunde nicht so einfach hinnehmen. Am 8. April 1984 gründeten sie unter dem Dach des Kulturbundes der DDR die Fachgruppe Elbeschiffahrt. Ihr Ziel: den damals 100 Jahre alten Glattdeckdampfer wieder in Betrieb zu setzen!
1985 wurde das Schiff zum Technischen Denkmal erklärt, anschließend erfolgte der Wiederaufbau. Die Dampferfans leisteten 3.500 ehrenamtliche Stunden und sorgten gemeinsam mit der Werft Dresden-Laubegast dafür, dass das Schiff zum 150-jährigen Jubiläum der Reederei 1986 im restaurierten Zustand wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Nachdem daraufhin auch noch die Maschine und der Kessel überholt wurden, konnte es zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 auch wieder als Traditionsdampfer in Fahrt gebracht werden. Heute ist die „Diesbar“ vornehmlich bei Charter- und Sonderfahrten auf der Elbe anzutreffen, aber auch Linienfahrten werden von dem Kohleschiff ausgeführt. Für die Mitglieder der Fachgruppe Elbeschiffahrt, die seinerzeit an der Rettung des „schwimmenden Juwels“ mitgewirkt hatten, wie auch für viele andere Dampferenthusiasten aus Nah und Fern ist es jedes Mal ein fast weihevoller Moment, wenn der Dampfer angeschnauft kommt. Sie sehen ihre Bemühungen bestätigt, zum Erhalt der ältesten und größten Raddampferflotte der Welt beigetragen zu haben.
Wenngleich solche praktischen Arbeiten schon längst nicht mehr auf der Tagesordnung stehen, kümmert sich die Fachgruppe - nunmehr unter dem Dach des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz - weiterhin um die Traditionspflege der Dresdener Dampfschiffe. Anfangs von Johannes Hirsch, später vom inzwischen leider verstorbenen Reiner Unger geführt, steht die 15 Mitglieder starke Vereinigung der Dampferfreunde jetzt unter dem Vorsitz von Hans-Helfried Richter. Immer am dritten Donnerstag im Monat - außer im Juli, August und Dezember - trifft man sich ab 17.00 Uhr an jenem Ort, wo alles begann. Auf der Laubegaster Werft werden dann historische wie auch aktuelle Themen besprochen, Bilder und Aufzeichnungen ausgetauscht und vor allem Kontakte mit Praktikern gepflegt. Ob ehemalige und noch tätige Schiffer, der Chef der Sächsischen Dampfschiffahrt oder der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes: Sie alle waren schon - teilweise nicht nur einmal - bei einer Fachgruppensitzung zu Gast, um das ehrenamtliche Wirken der Dampferfreunde mit ihren Ausführungen zu bereichern. Und das führt letztlich auch zu vorzeigbaren Ergebnissen, wie Schautafeln an Anlegestellen und auf Schiffen, einer 40 Bänder umfassenden Aufsatzreihe „Bundstaken“ oder Textbeiträgen und Fotos in verschiedenen Fachpublikationen. Zudem wurden gemeinsam mit der Schiffsgastronomie Leporellos über mehrere Dresdener Dampfschiffe erarbeitet, die den Fahrgästen der Sächsischen Dampfschiffahrt an Bord angeboten werden.
Selbstverständlich sitzen die Dampferfans nicht nur „im stillen Kämmerlein“, um ihrem Hobby zu frönen. Regelmäßige Fahrten auf der Elbe gehören ebenso zu ihren Aktivitäten wie Exkursionen, die sie bereits an die Saale oder die Donau führten. Nicht fehlen dürfen die Fachgruppen-Mitglieder auch, wenn jedes Jahr am dritten August-Wochenende in Dresden das Dampfschiff-Fest durchgeführt wird. Dann sind sie mit einem Informationsstand mittendrin im Geschehen und offerieren ihre Arbeiten der interessierten Öffentlichkeit. Wer sich mit der Geschichte der Elbeschifffahrt auseinandersetzen möchte, kann das aber auch den ganzen Sommer über. Denn im Eisenbahnmuseum in der Zwickauer Straße in Dresden wird von April bis September immer am ersten und dritten Samstag im Monat von 10.00 bis 16.00 Uhr eine Dauerausstellung der Fachgruppe präsentiert.
Michael Hillmann